100 Jahre Rotes Wien

Die Jahre 1919 bis 1934 waren in Wien von umfangreichen Sozialreformen und großen Wohnbauprojekten geprägt. Zwei Ausstellungen erinnern 2019 an das 100-Jahre-Jubiläum des „Roten Wien“.

 

Die Jahre 1919 bis 1934 gingen in die österreichische Geschichtsschreibung als die Zeit des Roten Wien ein. Die mit absoluter Mehrheit gewählten Sozialdemokraten regierten die Stadt (und stellen übrigens seit 1945 wieder ununterbrochen den Bürgermeister und die Mehrheit im Gemeinderat). Zu den wichtigsten und bis in die Gegenwart wirkenden Errungenschaften des „Roten Wien“ zählt neben umfangreichen Reformen in der Sozial-, Gesundheits- und Bildungspolitik vor allem der soziale Wohnbau, mit dem die extreme Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg bekämpft wurde.

2019 widmet sich das Wien Museum dem „Roten Wien“ in einer eigenen Ausstellung. Da der Standort des Wien Museum am Karlsplatz derzeit wegen Umbaus geschlossen ist, findet die Schau Das Rote Wien. 1919 bis 1934 im MUSA beim Rathaus statt. Im Mittelpunkt steht das international hochbeachtete, von seinen Gegnern heftig bekämpfte Reformprojekt der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, die bei den Wiener Gemeinderatswahlen im Mai 1919 die absolute Mehrheit errungen hatte. Es zielte auf eine tief greifende Verbesserung der Lebensbedingungen der ArbeiterInnen und eine weit reichende Demokratisierung der Gesellschaft. Zentrales Handlungsfeld der neuen Stadtregierung wurde die Wohnungsfrage, die sich während des Ersten Weltkriegs mit dem Erliegen der privaten Bautätigkeit dramatisch zuspitzte. Auf der Grundlage einer revolutionären Fiskalpolitik („Luxussteuern“) wurden bis 1934 mehr als 60.000 Wohnungen sowie zahlreiche Sozial-, Freizeit- und Kultureinrichtungen geschaffen.

Eine Ikone unter den Bauprojekten des „Roten Wien“ ist der imposante Karl-Marx-Hof im 19. Bezirk, der auch als Versailles der Arbeiter bezeichnet wird. Dieser Gemeindebau ist über einen Kilometer lang und beherbergt rund 1.300 Wohnungen sowie zahlreiche Gemeinschaftseinrichtungen. Im ehemaligen Brausebad und Wasserdepot des Karl-Marx-Hof ist heute eine Dauerausstellung eingerichtet. Das Rote Wien im Waschsalon informiert über Geschichte, Programm und Persönlichkeiten dieser Epoche, über Bautätigkeit, Bildungs- und Kulturangebot sowie Festkultur.

Zum 100-Jahre-Jubiläum erinnert die Ausstellung Heldenplatz ’29. Das Rote Wien zwischen Feier und Faschismus im Waschsalon des Karl-Marx-Hofs an das große Internationale Sozialistische Jugendtreffen, das 1929 in Wien stattfand und von 50.000 jungen Menschen aus 18 Nationen besucht wurde. Die Eröffnung des Jugendtreffens am Heldenplatz geriet zu einer beeindruckenden Manifestation gegen Krieg und Faschismus. Auch dem Organisator dieses Treffens, Otto Felix Kanitz, ist eine Schau im Waschsalon gewidmet.

Das Rote Wien. 1919 bis 1934, 30.4.2019-19.1.2020, Wien Museum MUSA, Felderstraße 6-8, 1010 Wien, www.wienmuseum.at 
Heldenplatz ’29. Das Rote Wien zwischen Feier und Faschismus, 11.4.-22.12.2019, Waschsalon Nr. 2, Karl-Marx-Hof, Halteraugasse 7, 1190 Wien, www.dasrotewien-waschsalon.at    

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