Einen Beitrag zur Veränderung leisten

In Österreich gibt es leider zu viele Baustellen an denen gearbeitet werden muss! – meint die junge Politikerin polnischer Abstammung, Catherine Wyrwalska.

Wie stark fühlen Sie sich mit dem Land Polen verbunden? Sind Sie oft dort?
- Polen ist für mich wie eine zweite Heimat – abgesehen von meinen Eltern und meinem Bruder leben dort meine ganze Verwandtschaft, viele Freunde und Bekannte, mit denen ich regelmäßigen Kontakt halte. Auch als Kind und Jugendliche war ich vor allem in den Ferien mit meinen Eltern in Polen. Aber auch jetzt bin ich oft noch an Feiertagen, zu besonderen Anlässen oder auch im Urlaub dort.
Sie sind zweisprachig aufgewachsen. War Ihnen das bei Ihrem beruflichen Werdegang behilflich?
- Ich bin sehr stolz und froh darüber, dass meine Eltern sich bemüht haben, mich zweisprachig zu erziehen. Ich hatte vor einigen Jahren auch die Möglichkeit ein Verwaltungspraktikum im österreichischen Generalkonsulat in Krakau zu absolvieren – da waren meine Polnisch-Kenntnisse von Vorteil, denn ich durfte übersetzen, Artikel für das Kulturforum verfassen und mich mit polnischen Künstler/innen treffen.
Sie haben Politikwissenschaft studiert und sind nun Bezirksrätin in Hernals. Es gibt in Österreich viele junge Menschen, die diese Studienrichtung wählen – mit der Hoffnung, in Zukunft in diesem Bereich beruflich Fuß zu fassen. Was können Sie ihnen hinsichtlich einer Politkarriere empfehlen?
- Ich darf zuerst anmerken, dass man nicht notwendigerweise Politikwissenschaft studieren muss, um in der Politik aktiv zu sein. Egal welche Studienrichtung oder welche Berufswahl, jeder, der politisches Engagement und Begeisterung zeigt, kann sich politisch engagieren. Dennoch ist es durchaus ratsam, sich beim Studium der Politikwissenschaft auch mit anderen Fächern auseinanderzusetzen, eventuell ein Zweitstudium zu immatrikulieren und sich ehrenamtlich zu engagieren. Dadurch gewinnt man für die politische Arbeit sehr viele neue Eindrücke und Sichtweisen – auch wenn es einige Semester mehr in Anspruch nimmt, aber es lohnt sich!
Wie sehen Ihre Pflichten als Bezirksrätin und Obfrau der ÖVP Frauen des Bezirks Hernals aus? Sie sind auch Assistentin der Landesgeschäftsführung ÖVP Frauen.
- Meine Arbeit als Bezirksrätin ist sehr vielfältig. Das Wichtigste ist der Bürgerkontakt, das Zuhören! Die Informationen und Anliegen der Bürgerinnen und Bürger sind sehr wertvoll und sei es auch nur ein kleines Loch in der Straße, das von den Bezirkspolitiker/innen womöglich übersehen wurde. Hier besteht die Aufgabe in der Bezirksvertretung, Allianzen zu schmieden und am Ende diese Anliegen durchzusetzten. Als Politikerin einer Oppositionspartei ist es durchaus nicht immer einfach, tatsächlich alle Anliegen zu verwirklichen, auch wenn es sich um sehr gute und wertvolle Ideen handelt. Als Bezirksleiterin der ÖVP Frauen kämpfe ich vor allem für bessere Bedingungen der Frauen am Arbeitsplatz, aber auch für die Rolle als Mutter in unserer Gesellschaft. Schließlich gibt es hier leider noch immer viele Ungleichheiten, die beseitigt werden müssen.
Was hat Ihr Interesse an der Politik erweckt?
- Schon zu Schulzeiten habe ich angefangen, mich politisch zu engagieren. Ich wollte nicht nur jammern, sondern sah mich verpflichtet, auch selbst einen Beitrag zur Veränderung zu leisten. Daher habe ich mich in der Oberstufe als Klassensprecherin aufstellen lassen und war überrascht, dass ich als eher „ruhiger“ Teenager doch so viel Rückhalt hatte und gewählt wurde. Schnell wurde mir jedoch klar, dass man sich bei den Lehrer/innen und dem Direktor nicht gerade beliebt machte, wenn man anderer Meinung ist. Der Hauptgrund für mein Interesse an der Politik war das Gefühl, zu wenig über das politische System zu wissen. Ich wollte einfach mehr erfahren. Daher habe ich mich auch entschieden, Politikwissenschaft zu studieren. Ich durfte dann auch erste Erfahrungen in der ÖH-Politik machen, sowohl positive als auch negative. Gerade in meiner Studienzeit wurde mir bewusst, dass ich gerne an Herausforderungen und vor allem gerne mit Menschen arbeite!
Am 15. Oktober findet die Nationalratswahl statt und Sie sind eine der KandidatInnen. Was für Ziele haben Sie sich hinsichtlich dieser Wahl gesetzt?
- Ich bin sehr stolz darauf, im Team von Sebastian Kurz auf der Wiener Landesliste und im Regionalwahlkreis 9F kandidieren zu dürfen! Wir haben in Österreich viele Herausforderungen, an denen gearbeitet werden muss. Mein persönlicher Fokus liegt im Bereich Familien, Gesundheit und Bildung. Gerade junge Familien haben es nicht immer leicht. Es wäre wichtig und richtig, diese zum Beispiel durch Steuerentlastungen zu unterstützen – ebenso aber auch durch flexiblere Arbeitszeitmodelle. Auch was das soziale Kapital Österreichs angeht, finde ich es sehr wichtig, dass Kinder und Jugendliche in den Schulen Grundkompetenzen erlernen. Hier besteht zurzeit vor allem in Wien eine große Lücke. Faktum ist, dass viele Schulabsolvent/innen nicht ordentlich schreiben, rechnen und lesen können. Bei vielen mangelt es auch an deutschen Sprachgrundkenntnissen.
Warum ist das politische Engagement der BürgerInnen Ihrer Meinung nach so wichtig?
- Ich finde ehrenamtliches Engagement, egal ob es in der politischen Arbeit ist oder zum Beispiel im sozialen Bereich, einen wichtigen Teil für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Gerade in Zeiten, in denen die Gesellschaft immer mehr auseinander driftet, ist es umso wichtiger, dass Menschen, die sich freiwillig einbringen möchten, als Botschafter nach außen vermitteln, dass politische Partizipation mehr als nur ein lang-erkämpftes Recht ist.
Auf höherer politischer Ebene sind Zuwanderer unterrepräsentiert. Von insgesamt 183 Abgeordneten haben lediglich 27 Politiker einen Migrationshintergrund. Was könnten Ihre Meinung nach die Gründe hierfür sein?
- In der heutigen Zeit stehen die Türen jedem/r Bürger/in offen, sich politisch einzubringen. Dass Politiker/innen mit Migrationshintergrund womöglich unterrepräsentiert sind, liegt - denke ich - bestimmt nicht daran, dass man diese nicht haben möchte. Ich mache eher die Erfahrung, dass man nach Kandidaten sucht, die in ihren Communities gut vernetzt sind und sich politisch engagieren möchten. Deshalb freue ich mich auch, dass ich aus der polnischen Community nicht die einzige mit polnischen Wurzeln bin, die bei den kommenden Wahlen zum Nationalrat antritt. Meine Kolleg/innen Katarzyna Greco und Robert Kowalski kandidieren ebenso in ihren Regionalwahlkreisen!
Sie haben mit sehr unterschiedlichen Menschen zu tun, wie werden angesichts dessen die PolInnen wahrgenommen?
- In meinem Umfeld höre ich eigentlich nur positives über die polnische Community – sie werden als tüchtige und sehr gastfreundliche Menschen wahrgenommen. Und jeder, der schon einmal in Polen Urlaub gemacht hat, berichtet von der schönen Landschaft und der Modernität der Städte. Ich denke, dass sich das Bild von Pol/innen sehr stark in den Köpfen der heimischen Bevölkerung geändert hat – und das finde ich auch gut so. Polen ist ein aufstrebendes Land und auch seine Bürger/innen, sowohl hier in Österreich als auch in Polen selbst!
Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?
- Hauptsächlich arbeite ich daran, mein Studium abzuschließen! Alles weitere lasse ich offen – ich bin ein Mensch, der gerne auch spontan handelt!

Polonika nr 262, wrzesień/październik 2017

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