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Wien als Wirtschaftsstandort

- Die polnischen Unternehmer haben eine lange und erfolgreiche Geschichte in Wien, so manches von ihnen gegründete Geschäft ist heute aus dem Leben in Wien nicht mehr wegzudenken, so Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien.

 

Sie sind seit Juni 2014 als WK-Präsident im Amt. Wie würden Sie das erste Jahr resümieren?
- Mit der größten Mitgliederbefragung in der Geschichte der Wirtschaftskammer Wien haben wir einen Paradigmenwechsel in der Interessenvertretung der Wiener Unternehmerinnen und Unternehmer eingeläutet. Die Mitglieder haben sich mit klarer Mehrheit für mehr unternehmerische Freiheit und eine faire soziale Absicherung ausgesprochen. Diesen Auftrag gilt es jetzt konsequent umzusetzen. In einem ersten Schritt haben wir daher dem Wiener Bürgermeister unser Modell der Sonntagsöffnung in Tourismuszonen vorgelegt. Damit Wiens Touristen nicht länger vor geschlossenen Geschäften stehen. Das ist aber nur einer von vielen Impulsen, die wir im vergangenen Jahr für die Unternehmerinnen und Unternehmer ausgearbeitet haben.

In Krakau zum Beispiel gibt es schon sehr lange die Tourismuszonen mit Sonntagsöffnung. Polnische Touristen, die sich an uns wenden, waren überrascht, dass es in Wien solche Regelungen nicht gibt. Braucht Wien wirklich die Tourismuszonen? In welchem Stand sind die Verhandlungen?
- Ja, ich bin überzeugt, dass Wien die Tourismuszonen benötigt, auch unsere Mitglieder haben eindeutig für die Einführung gestimmt. 140 Mio. erwarteter Mehrumsatz und 800 neue Arbeitsplätze sind wohl die besten Gründe dafür. Die ersten Verhandlungsrunden mit der Arbeitnehmerseite hat es bereits gegeben. Unsere Vorschläge liegen auf dem Tisch und können sofort umgesetzt werden.

Wie beurteilen Sie Wien als Wirtschaftsstandort? Warum wandern viele Unternehmen von Wien ab? Was könnte Wien machen, um dies zu ändern?
- Wien ist noch immer ein guter Wirtschaftsstandort, es wird aber schwieriger. Es ist uns zwar gelungen, zum Drehpunkt zwischen Ost und West zu werden und damit zu einem Knotenpunkt im internationalen Handel. Aber natürlich gibt es genug Verbesserungspotenzial, etwa bei der überbordenden Verwaltung, die man dringend verschlanken muss, damit Unternehmer wieder mehr Zeit für das operative Geschäft haben. Oder auch bei den Lohnnebenkosten, die endlich gesenkt werden müssen. Etwa die europaweit einzigartige U-Bahnsteuer, die ersatzlos gestrichen gehört.

Das Rauchverbot in der Gastronomie ist bereits Tatsache. Was bedeutet es für die Unternehmen? Ist es wirklich die optimale Lösung?
- Wir hatten hier eine sehr gute Lösung, für die die Gastwirte auch bereit waren, viel Geld zu investieren, um ihre Lokale zu adaptieren. Dass man jetzt wieder alles umkrempeln muss, wirkt sicher nicht vertrauensfördernd.

Ist Arbeitslosigkeit in Wien ein Problem?
- Natürlich ist die hohe Arbeitslosigkeit in Wien ein Problem. Sie ist aber auch ein Symptom der falschen Wirtschaftspolitik der letzten Jahre. Es gibt keinerlei Anreize für Unternehmen, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Gleichzeitig wächst Wien aber. Und das kann nicht gut gehen.

Ist in Österreich die Lehrlingsausbildung praxisbezogen?
- Mit unserer dualen Ausbildung durch Lehrbetrieb und Schule sind wir ein internationales Vorzeigebeispiel, das gerne und erfolgreich nachgeahmt wird. Unsere Betriebe bilden hervorragende Fachkräfte aus, die sich auch international behaupten können. Durch das Lernen direkt im Ausbildungsbetrieb und die theoretische Ergänzung in der Berufsschule werden junge Menschen wirklich toll ausgebildet.

In der österreichischen Presse hat man Sie als "Präsidenten von der Baustelle" bezeichnet, in Bezug auf Ihre Baufirma, die Sie seit Jahren erfolgreich führen. Sind Ihre Erfahrungen als Unternehmer hilfreich für die Amtsausübung?
- Ich bin in der Wirtschaft aufgewachsen, habe schon als Kind in meiner Familie gesehen, wie es als Unternehmer läuft. Und natürlich hilft das Wissen, wo die Herausforderungen und die Hürden aber auch die Chancen für Unternehmer sind. Gerade als Interessensvertreter für so viele Unternehmerinnen und Unternehmer ist es wichtig, auch selbst in der Wirtschaft tief verankert zu sein.

Vor kurzem haben Sie gemeinsam mit Landesparteiobmann und Stadtrat Manfred Juraczka das Projekt "25.000 neue Jobs für Wien" präsentiert. Können Sie dieses kurz unseren Lesern vorführen?
- Dieses Konzept beruht auf verschiedenen Projekten, die gemeinsam 25.000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Auf der einen Seite geht das durch den Abbau von Hürden für die Unternehmen. Fallen etwa Bagatellsteuern wie die Werbeabgabe weg, werden die ersten Mitarbeiter von den Lohnnebenkosten befreit, die Bürokratie reduziert und die Möglichkeit zur Sonntagsöffnung geschaffen, können die Unternehmen wieder leichter zusätzliche Mitarbeiter aufnehmen. Andererseits wollen wir auch mit direkten Investitionen neue Arbeitsplätze schaffen. Etwa mit dem Anschluss an die transsibirische Eisenbahn, dem Ausbau des Flughafens oder einer neuen Multifunktions-Veranstaltungshalle.

Welche Erfahrungen haben Sie mit polnischen Unternehmen gemacht? Wie würden Sie die wirtschaftlichen österreichisch-polnischen Beziehungen beschreiben?
- Die polnischen Unternehmer haben eine lange und erfolgreiche Geschichte in Wien, so manches von ihnen gegründete Geschäft ist heute aus dem Leben in Wien nicht mehr wegzudenken. Ein Drittel der Unternehmen in Wien hat heute migrantischen Hintergrund und das Herkunftsland Polen spielt hier eine wichtige Rolle: Wir haben in der Stadt rund 5000 Unternehmer mit polnischen Wurzeln. Und diese Unternehmer übernehmen wichtige Funktionen in Wien: Sie schaffen Arbeitsplätze, bilden die Jugend aus, leben Integration vor und sie leisten mit ihren Kontakten nach Polen einen wichtigen Beitrag zur Profilierung Österreichs als „Ost-West-Drehscheibe“.

Interview: Sławomir Iwanowski, Polonika nr 248, September 2016

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