Man darf seine Wurzeln auf gar keinen Fall vergessen

Silvia Schneider, fot. Oliver Topf
„Zielstrebig" beschreibt die toughe Linzerin Silvia Schneider wohl am besten. Neben einer Schauspielausbildung hat die Halbpolin ein Jus-Studium absolviert, ist Kulturressort-Leiterin und Moderatorin bei dem oberösterreichischen Sender LT1 und nimmt seit einem Jahr auf der pinken Couch des PULS4 - Senders Platz und moderiert das Society Format PINK!. 

Ich treffe die lebenslustige Frohnatur im Cafe Bendl zum Gespräch.

 


Du bist ja ein Allround-Talent. Neben einer Ausbildung für Musik, Tanz und Schauspiel hast du auch noch ein Jus-Studium absolviert. Hast du vor den Beruf jemals auszuüben?
- Ich hab immer gewusst, dass ich in die Richtung Bühne, Schauspiel oder Fernsehen gehen möchte. Das war von klein auf mein Wunsch und das mit dem Jus-Studium war einfach eine gute Basis zusätzlich, ein Interesse, dass man auch etwas Handfestes hat. Ich mache jetzt auch meinen Doktor, aber ich glaub nicht, dass ich in dem Beruf einmal arbeiten werde, aber sag niemals nie.

Bist du denn schon mal auf der Bühne gestanden?
- Ja, schon mehrmals. Theaterbühne auf alle Fälle, ich würde auch sehr gerne wieder spielen. Leider ist für so etwas überhaupt keine Zeit, weil die Probearbeiten doch sehr viel Freizeit fressen. Ich mache auch immer wieder Sachen für´s Fernsehen oder für den Film, das letzte war „Vitasek" oder „Falco - Der Film".Dass ich bei der polnischen Samstagabend-Show „Europa da sie lubic"(dt. „Europa lässt sich mögen") mitgemacht habe, was auch eine schöne Erfahrung für mich.

Wie ist es zu deinem Engagement als Moderatorin gekommen?
Ich habe zu dem Zeitpunkt in der Schweiz gelebt. Dann hat mich eine gute Freundin angerufen, dass ein oberösterreichischer Sender Moderatoren für ein junges Format sucht, das hat damals „Campus TV" geheißen. Ich habe am Casting teilgenommen und wurde genommen, das war das große Glück. Danach habe ich bei LT1 zu arbeiten angefangen und bin da auch sehr schnell hineingewachsen, weil das ein sehr lieber Kreis ist. Letztes Jahr hat dann PULS 4 Moderatorinnen gesucht, auch da bin ich zu einem Casting gegangen und hatte Glück.

fot. Oliver Topf
Jetzt moderierst du auf LT1 und auf PULS 4 das Society-Format „PINK! – Österreichs erstes Starmagazin". Wie bringst du alles unter einen Hut?
- Ich würde nicht sagen, dass es anstrengend ist, weil wenn man etwas gerne macht. Dann ist es ja bekanntlich nicht anstrengend, aber es erfordert einfach wirklich gute Planung. Ich koordiniere alle meine Termine ganz genau in meinem Kalender und es ist möglich, dass man das ohne sich zu zerreißen auch wahrnimmt, wenn man ein Umfeld hat, das das auch akzeptiert und mitzieht. Manchmal fahr ich sogar am Abend von Wien nach Linz, weil ich dort eine Moderation habe und dann wieder in der Nacht zurück.

Wie bereitest du dich auf deine Moderationen vor?
- Bei den Sendungsmoderationen ist mir immer ganz wichtig, dass ich alle Beiträge vorher sehe, beziehungsweise die Texte kenne, damit ich weiß, worum es geht und was die Pointen sind. Anhand dessen bekomme ich einen Moderationsvorschlag, den ich dann meistens für mich selber adaptiere und versuche dann möglichst bündig durch die Sendung zu führen, so dass ein roter Faden drinnen ist. Wenn es Live Moderationen sind, muss ich ehrlich sagen, da bin ich schon so pflichtbewusst und versuche möglichst viel auswendig zu lernen, damit ich auf der Bühne nicht in einen Stress gerate und schlagfertig sein kann.

Hast du Lampenfieber?
- Ich sage immer, es wäre schlecht, wenn man keines hätte. Lampenfieber in dem Sinn, dass ich Schweißausbrüche habe und zum Zittern anfange, kommt nicht vor. Jetzt ist es so, dass ich vielleicht nicht Aufregung verspüre, sondern eher einen Adrenalin Push in der Situation dann.

Was sind deine Leidenschaften?
- Ich glaube auf alle Fälle, dass meine Arbeit eine sehr große Leidenschaft ist. Das macht mir riesengroßen Spaß, aber in letzter Zeit bin ich draufgekommen, dass ich die Natur liebe, wahnsinnig gerne Wandern gehe, in meinem Garten arbeite – ich kann es kaum erwarten, dass endlich die Pflanzzeit beginnt und ich meine Kräuter und ein paar neue Blumen anpflanzen kann. Irgendwie so traditionell handwerklich gemütliches, alles was mit Ruhe und sich zurücknehmen zu tun hat, das hab ich jetzt für mich entdeckt. Alte Möbelstücke suchen auf Flohmärkten oder irgendwelche kleinen Sachen handwerklich anfertigen.

Glaubst du ist das gewissermaßen dein Ventil, um die viele Arbeit zu kompensieren?
- Auf alle Fälle, es gehen ja viele zum Sport, ich auch. Ich mach gerne Yoga, Aerobic, gehe gerne Laufen und ins Fitnessstudio. Im Moment bin ich im Tanztraining für „Dancer against Cancer", da werde ich richtig geschunden, aber es ist fein, weil ich ja früher zehn Jahre Turnier getanzt habe. Ich mache gern Sport und bin gerne draußen an der frischen Luft.

Du strahlst immer eine große Fröhlichkeit und Lebensfreude aus. Wie bist du privat und was kann dir schon mal die Laune verderben?
- Privat bin ich, glaube ich, eher ein ruhiger Mensch, obwohl viele Leute sagen, dass ich einfach einen riesengroßen Vogel habe. Ab und zu bekomme ich meine narrischen 20 Minuten und dann geht´s völlig durch mit mir. Ich mag einfach wahnsinnig gern, wenn andere Menschen gut gelaunt sind, deswegen versuche ich das auch zu sein. Gerade bei Frauen in unserem Geschäft, finde ich es besonders wichtig zu zeigen, dass man Respekt voreinander und vor der Arbeit hat und nicht neidig ist. Die Arbeit ist sowieso da und irgendwer muss sie machen. Was mich völlig zum Auszucken bringt ... das sage ich dir jetzt, das wollte ich immer schon mal loswerden (lacht): Wenn du an der Supermarktkasse stehst, da sind diese Trennstaberl und es macht mich völlig wahnsinnig, wenn ich meine Sachen ohnehin schon in einem Meter Entfernung hinlege und der vor mir dann provokant das Staberl hinlegt.

Du bist Halbpolin. Wie ist dein Bezug zu Polen?
- Meine Mutti ist aus Krakau, mein Vater ist Österreicher. Ich bin in Österreich geboren, aber zweisprachig aufgewachsen und habe eine große Verbundenheit zu Polen, weil ich doch öfter im Jahr dort bin. Ich habe auch ein Patenkind dort, meine Großeltern und meine Cousine sind dort. Ich liebe das Land und die Leute, ich muss auch sagen, das ist eine ganz andere Mentalität, da fühlt man sich einfach sehr wohl. Was jetzt nicht heißt, dass ich mich in Österreich nicht wohl fühle, das ist meine Heimat, aber es ist sehr lustig in Polen.

Wann warst du zuletzt dort?
- Zu Weihnachten, das ist eigentlich immer Tradition und dass man dann die ganzen Bräuche am Weihnachtsabend hat mit Barszcz, Karpfen und dem Gedeck mehr für den Gast, der noch kommt.

Du hast am Opernball für PULS 4 ein Interview mit Joanna Tuczynska geführt, was war das für ein Gefühl?
- Das ist immer der große Bonus, wenn man einen Landsmann trifft. Die reagieren dann auch besser. Das war der einzige Grund warum sie mir ein Interview gegeben hat und es ist auch gut bei unseren SeherInnen angekommen.

Wie stehst du zu den Migrationsdebatten? Ist es noch würdig zuzugeben, dass man einen Migrationshintergrund hat?
- Absolut. Das finde ich ganz wichtig, man darf auf gar keinen Fall vergessen was die Wurzeln sind und es ist ein großer Vorteil, wenn man eine andere Kultur kennt. Dann ist man auch offener für Neues und viel kontaktfreudiger. Man darf sich nicht einsperren in seiner eigenen Nationalität und glauben, dass es da links und rechts nichts gibt, was vielleicht auch gut wäre. Man muss das überhaupt nicht unter den Tisch kehren, wenn man aus dem Ausland kommt, sondern stolz darauf sein, aber man muss schon auch die Augen aufmachen für die österreichische Kultur.

Anita Lechowski, Polonika Nr. 207, April 2012

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